Über den Maler
Mariusz Zdybał
Mariusz Zdybał wurde 1955 in Warschau geboren. In der Hauptstadt absolvierte er seine — keineswegs künstlerische — Ausbildung und nahm seine erste Arbeit auf. Satori erlebte er erst 1981. Persönliche, existentielle Erschütterungen brachten den damals 26-jährigen Zdybał dazu, sein Leben grundlegend neu zu bewerten und in das — im positiven Sinne — provinzielle Hirschberg zu ziehen. Dort beschloss er, von der Malerei zu leben.
Mit dem Eifer eines Neophyten begann er, berühmte Bilder zu studieren und zu kopieren. Seine Lehrer wurden «die Besten der Besten»: Sandro Botticelli, Tizian, die Meister der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und schließlich Salvador Dalí — mit seiner ungehemmten Phantasie. Nach Jahren des Studierens und Nachahmens formte er seine eigene, leicht erkennbare künstlerische Konvention.
1988 fand seine erste Einzelausstellung in der Krakauer Galerie «A» statt. 1995 wurde er in den Verband der Polnischen Bildenden Künstler (ZPAP) aufgenommen. 1999 erhielt er die Goldmedaille beim internationalen MCA-Malwettbewerb in Marseille, ein Jahr später den Grand Prix in Cannes. Gezeigt in Warschau, Danzig, Berlin, Düsseldorf, Doesburg und Marseille.
Statement
«Von Anfang an, vom ersten gemalten Bild bis heute, bin ich Geisel der Frauenwelt.» Die neunziger Jahre waren in meiner Malerei die Berliner Periode — melancholische, manchmal verlorene Frauen. Das 21. Jahrhundert ist eine Wendung zu heiterer Gemütsverfassung und intensiver Farbe, eine Reise zur auf die Leinwand übertragenen Lebensfreude.
Über die Malerei
Krzysztof Sztuciński, Kunsthistoriker
Das Betrachten der Bilder von Mariusz Zdybał wird gewöhnlich von einer subtilen, schwer definierbaren Spannung begleitet. Sie wird durch die für sein Schaffen charakteristischen, in der wirklichen Welt nicht vorkommenden Konstellationen naturalistisch wiedergegebener Personen, Gegenstände und Orte hervorgerufen. Diese bewusste, durch malerische Meisterschaft verzaubernde Fusion wirkt stärker auf Sinne und Phantasie als auf den Intellekt.
Zdybał erzählt uns keine schönen Geschichten, kommentiert die Wirklichkeit nicht, engagiert sich nicht in gesellschaftliche Belange. Er malt einfach — glatt und peinlich genau — mit seiner Phantasie als spiritus movens. Das dankbarste Sujet ist für ihn die weibliche Gestalt: bekleidet oder nackt, stehend oder schreitend, liegend oder sitzend, meist allein, in einem entrealisierten Raum.
Um die beabsichtigten Effekte zu erzielen, komponiert Zdybał seine Leinwände vertikal. Symmetrie meidet er nicht. Diese Vorliebe lässt sich durch seine tiefen Studien der alten Kunst erklären. In Zeiten, in denen man lieber benennt als schafft, erscheint sein raffiniertes, weit von jeder Avantgarde entferntes Werk als noble Oase der Ruhe.